Der Angriff Russlands auf den unabhängigen Staat Ukraine, nachdem die Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken (UdSSR) schon zuvor ihr Ende fand, ist im 21. Jahrhundert mitten in Europa schwer zu erklären, noch weniger zu rechtfertigen. Dennoch hat bei den Deutschen so kurz nach der Erinnerung an den 8. Mai 1945 ein Nachdenken eingesetzt, das keine vorbehaltlose Zustimmung zur Lieferung schwerer Waffen in die Ukraine durch die Bundesrepublik Deutschland feststellt. Mögen die Zustimmungswerte zur Lieferung schwerer Waffen verschieden interpretiert werden, mag die Fernsehansprache des Bundeskanzlers Olaf Scholz am Abend des 8. Mai 2022 noch so eindringlich erscheinen, überzeugend ist das alles nicht. Wer heute noch ständig von der moralischen Schuld Deutschlands und der Deutschen spricht, muss sich die Frage gefallen lassen, ob Waffenlieferungen in Krisengebiete, also die neuerliche Schuldaufladung, alte Schuld tilgt.

Wer dieser Tage die Ergebnisse der Landtagswahlen in Schleswig-Holstein zu erklären versucht, wird sich auch fragen: Warum konnte die AfD in diesem Landstrich beim Wähler nicht punkten, wo sie doch heute eine der entschiedensten Gegner von Waffenlieferungen in die Ukraine ist? Wieso bevorzugt der Wähler genau jene Parteien, die sich als Kriegstreiber gegen Russland in Sachen Ukraine erweisen? Die Frage ist noch zu klären, aber CDU, Grüne und mit Abstrichen auch die SPD, sind nicht mehr unschuldig. Sie machen uns indirekt zur Kriegspartei. Da helfen auch keine völkerrechtlichen Deutungsvarianten.

Die Ukrainer werden zwar mit reichlich Waffen zur Verteidigung vom „Westen“ ausgerüstet, aber das Morden geht damit in eine neue Qualität, wo die Menschen dort ein weiteres Mal Opfer sind.

Als 1945 der Krieg nach Deutschland kam gab es wenige Aufrechte, die den Mut bewiesen wegen des drohenden Untergangs auch „Nein“ sagen zu können. Erinnert sei an dieser Stelle an den damaligen Stadtkommandanten von Greifswald, Rudolf Petershagen, der die Hansestadt kampflos übergab, weil er weder das Leben vieler Menschen noch die sinnlose Zerstörung der alten Hansestadt auf dem Gewissen haben wollte. Nach dem Dritten Reich galt er als Verräter, aber er handelte verantwortungsvoll. Ist so etwas heute undenkbar geworden oder fehlt es an charakterfesten Menschen? Ist nur noch ein Sieg um jeden Preis das Ziel?

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